Dachverbandsreise der österreichischen Vereinigungen in Deutschland vom 9.5. bis 12.5. 2013 ins Bundesland Vorarlberg.

Dank unseres Vorsitzenden Herrn Werner Götz, der durch die Gründung des Dachverbandes in Deutschland unter anderem auch solche Reisen erst möglich macht, durften wir wieder wunderschöne Tage mit lieben Menschen verbringen. Tatkräftig organisiert und unterstüzt von den Herren Franz Dania, Vizepräsident der Österreichischen Vereinigungen in Nürnberg, sowie Herrn Peter Kunz.
Zu Beginn dieses Berichtes ein kurzer Rückblick:
Begonnen wurde diese immer beliebter werdende Reisen in Brixen Südtirol. Danach folgte die Steiermark (einer der Höhepunkte dieser Reise war der Empfang von Landeshauptmann Mag. Franz Voves im wunderschönen barocken Schloss Eggenberg in Graz). Als Nächstes folgte Kärnten. Am Ossiachersee, in den Nockbergen, im Spiegelsaal der Landesregierung in Klagenfurt, wo uns der damalige Bundesratspräsident Peter Mitterer beehrte, verbrachten wir schöne Stunden. Dann war Tirol an der Reihe. Wir werden nie vergessen, wie unterhaltsam es war, als der vormalige Landeshauptmann und jetzige Landtagspräsident DDr. Herwig van Staa einen ganzen Nachmittag und Abend mit uns verbrachte. Persönlich übernahm er die Führung des Kaiserjägermuseums am Berg Isel. Anschließend lud er uns in den Landtag ein.Der Landtagspräsident persönlich führte uns durch die Räume. Spannendes aus der Geschichte, Kultur, von den Tiroler Menschen und vieles mehr hatte er zu erzählen.
Es freuten sich alle Teilnehmer schon sehr auf die heurige Reise ins „Ländle“, wie unser kleines Bundesland liebevoll genannt wird. Franz Dania übernahm wie gewohnt die Reiseleitung, was perfekt funktionierte.
Der Bus startete in Nürnberg, die Fahrt ging weiter über Kempten, Oberstaufen nach Bregenz. Die Individualreisenden trafen teils schon früher ein, man nützte die Zeit, um nachmittags mit der Seilbahn auf den Pfänder, den Hausberg der Bregenzer zu fahren. Eine Gondel brachte uns hinauf, der Rundumblick über Bregenz, den Bodensee weit hinein ins Allgäu war traumhaft.
Abends, als alle Reisenden eingetroffen waren, begrüßte uns Dachverbandspräsident Werner Götz, gleichzeitig Präsident der Österreichisch-Deutschen Gesellschaft Berlin-Brandenburg und Vizepräsident des Weltbundes der Auslandsösterreicher im „Wirtshaus am See.“ Die Wiedersehensfreude war groß. Nach dem Abendessen merkten wir schnell, das die kleine Stadt Bregenz ( 28 000 Einwohner) über wenig Nachtleben verfügte . (Nicht zu vergleichen mit der Studentenstadt Graz). Die Stadt schien zu schlafen, wir noch so munter, mit ein bisschen Einsatz fanden wir schließlich doch noch ein Weinlokal. Früh am nächsten Morgen ging es mit einer Dampferfahrt von Bregenz nach Friedrichshafen. Die MS „Austria“ wartete schon auf uns, während der Fahrt bekam man einen Eindruck von der Größe des Bodensees. Ein Besuch des Zeppelinmuseums war angesagt. Wir wurden von einer sehr kompetenten Führerin geleitet.

Ferdinand Graf von Zeppelin (1838 - 1917) war Pionier der Luftschifffahrt. Friedrichshafen feiert heuer den 175. Geburtstag dieses berühmten Mannes, mit ihm begann der wirtschaftliche Aufschwung in Friedrichshafen. Das Museum im ehemaligen Hafenbahnhof erzeugt ein Gefühl von Reiselust und Mobilität. Die originalgetreue Rekonstruktion eines 33 Meter langen Teilstücks von „LZ 129 Hindenburg“ vermittelt die Zeppelinbegeisterung jener Zeit und man kann die Fahrten rund um die Welt nachempfinden. Als sich Ende des 18. Jahrhunderts erste Ballone in die Luft erhoben, hatte sich für die Menschheit ein Jahrhunderte alter Traum erfüllt – der Traum vom Fliegen. Die zahlreichen Exponate aus der weltweit größten Sammlung zur Geschichte und Technik der Zeppelin-Luftfahrtsschifffahrt veranschaulichen, wie diese Technologie schon damals zu grundlegenden Erkenntnissen über Aerodynamik und Leichtbau geführt und die Mobilität verändert hat. Beeindruckt von der Luftfahrtschifffahrt, die ja mit dem Absturz der“Hindenburg“ 1937 in Lakehurst ein Ende hatte, stärkten wir uns bei einem vorbestellten gemeinsamen Mittagessen.
Mit dem Bus fuhren wir durch ein liebliches Obstanbaugebiet zurück nach Bregenz. Eine örtliche Reiseleiterin erwartete uns vor der Seebühne. Diese Bühne ist die größte Seebühne Europas. Die Seespiele (heuer wird die „Zauberflöte“ aufgeführt), sind zu einer der Haupteinnahmequellen der Stadt geworden. Weiter ging es zur Oberstadt – zur Altstadt. Winklige Gassen, alte Fachwerkhäuser und der barocke Martinsturm,hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Sogar Teile der alten Stadtmauer der Landeshauptstadt sind noch zu sehen.
Nur eine kurze Verschnaufpause dann das nächste große Ereignis..Der Empfang auf Einladung der Vorarlberger Landesregierung mit Besichtigung des Landtages. Zu Beginn führte uns Frau Möckl ,eine Mitarbeiterin der Landesregierung, in den Festsaal und erklärte das Gebäude .Nach einem Film über das „Ländle“ , das ja stark agrarisch ausgerichtet ist wurden wir in den Plenarsaal geführt.
Peter Ritter, seit 14.11.2012 Erster Landttagsvizepräsident, seit 25 Jahren in der Politik, trat ans Rednerpult. Wir nahmen auf den Sitzen der Abgeordneten Platz. Er begrüßte seine österreichischen Landsleute, die verschiedenste Tätigkeiten in Deutschland ausüben, aber ihre Heimat doch immer im Herzen tragen. Dann sprach er über die Landesregierung. Folgendes erfuhren wir:
Voralberg ist ein Land, wo die österreichische Volkspartei seit Jahrzehnten die Mehrheit hat.
20 der 36 Abgeordneten sind von der ÖVP, die auch den Landeshauptmann, Mag. Markus Wallner, stellt. Derzeitiger Mandatsstand:
20 ÖVP
9 FPÖ
4 Grüne
3 SPÖ (diese Partei hatte in Voralberg nie starke Anteile)
Es gibt 9 bis 10 Landtagssitzungen pro Jahr.

Als Nächstes sprach Herr Ritter über sein „Ländle“. Vorarlberg ist eins der dicht besiedeltsten Gebiete Europas. Das Land hinterm Arlberg. Einst ein bitterarmes Bauernland, noch heute hat es 540 Almen. Später in den 50er bis 70er Jahren der Blütezeit der Textilwirtschaft ging es dem Land immer besser. Seit dem Jahr 2000 boomt die Industriewirtschaft, es ist ein Exportland : bekannte Firmen wie Doppelmeier (Schilifte…), Sogar Damast wird in den westafrikanischen Raum exportiert. Hans Künz GmbH (Containerkräne) und viele mehr haben sich hier angesiedelt.
Natürlich spielt auch der Tourismus eine große Rolle. Jeder kennt den Arlberg, das Montafon und den Bregenzer Wald.
Vorarlberg war und ist ein Einwandererland. 70 bis 80 Nationalitäten leben in diesem kleinen Bundesland (ca. 373 000 Menschen). Seit ungefähr 40 Jahren gibt es einen großen Zustrom aus dem damaligen Jugoslawien, von Türken und die drittgrößte Gruppe kommt in der jüngeren Zeit aus Deutschland. Durch den Bodensee gab es immer schon eine offene Verbindung zu der Schweiz und zu Deutschland.
Vorarlberg hat 5% der österreichischen Bevölkerung und gehört zu den Top 3 der wirtschaftlichen Regionen Europas. Energie wird aus Wasserkraft gewonnen, das Ziel bis 2050 ist die Autonomie bezüglich der Energie zu erreichen.

Nach diesen hochinteressanten Darstellungen (manch einer schielte schon mit dem linken Auge auf das Buffet) trat nun unser Dachverbandspräsident Werner Götz ans Rednerpult.
Erst bedankte er sich für die ausführlichen Erläuterungen übers „Ländle“, überbrachte Grüße von Weltbundpräsident Gustav Chlestil und betonte in seiner Rede, wie sich die Österreicher überall in der Welt durch ihre verschiedenen Tätigkeiten einbringen. Er wies auch auf eine Trendumkehr hin. Heute leben ungefähr 230 000 Österreicher in Deutschland und 235 000 vorwiegend Ostdeutsche bei uns in Österreich. Man bedenke wieviele Einwohner Deutschland hat und wieviel Österreich ! Nach einem Dank an Franz Dania und Peter Kunz für die perfekte Planung und Durchführung dieser Reisen überreichte er den Landtagsvizepräsidenten einen Bildband der Bundeshauptstadt Berlin, wo sich ja der Sitz des Dachverbandes befindet.
Ein Zitat wie uns die Ausländer sehen:
Österreicher haben wie die Deutschen eine Faust aus Eisen –- aber darüber einen Samthandschuh…
Danach wurde das Büffet eröffnet und unser Vorstandsmitglied Friedrich Trügler begleitete den gemütlichen Teil mit seiner Zither. Diese musikalische Umrahmung, die ja nun auch schon ein Fixbestandteil dieser Reisen ist, ist wirklich nicht mehr zu missen. Danke Fredi!
An diesem Abend gab es ein Stadtfest in Bregenz. Na, ja… am nächsten Morgen hörte man flüstern: Fredi und der „Elektriker unter den Österreichern“ fanden sich nach Mitternacht in der Bank Austria, wo eine geschlossene Veranstaltung war, wieder. Den „Topkunden“ gefiel der 3. Mann auf der Zither so sehr und der teure Wein, den beide dann mittrinken durften, schmeckte so gut….. Ein gelungener Tag sollte ja wirklich nicht so schnell enden.
Am Samstag, dem 11.Mai waren alle wieder pünktlich beim Bus. Na, fast jedenfalls. Fredi fand vorerst seinen Platz nicht mehr und spielte auf der Stiege im Bus ein Morgenständchen. Die Fahrt ging durch die reizende Landschaft des Bregenzer Waldes. In Bezau, der größten regionalen Fläche des Bregenzer Waldes, bei der Gondelauffahrt zur Baumgartnerhöhe erwartete uns der Vorstand einer der ersten Österreicher Vereine im Ausland. Herr Rudolf Völk vom Österreicherverein in Kempten. Weiters empfing uns der Präsident des Voralberger Kameradschaftsbundes und Mitglied der Voralberger Landesregierung, Oberstleutnant Alwin Denz. Beide Herren begleiteten uns auf die Baumgartnerhöhe. Herr Denz freute sich, uns seine Heimat präsentieren zu können und erzählte uns Interessantes aus seiner Heimat, dem Bregenzer Wald.
Die erste Besiedlung war um 1280, vorher war es ein Jagdgebiet. Um 1600 herum eroberten das Gebiet die Bayern, die erste Hausnummern einführten, um die Zinslehen besser abkassieren zu können. 1889 waren sie wieder losgelöst von den Bayern. Heute gibt es in Bezau 500 Häuser. Land- und Almwirtschaft dominieren, als 3. Einnahmequelle ist der Tourismus unverzichtbar. 1902 wurde die Bregenzer Waldbahn eröffnet. Seit 1962 ist es eine Marktgemeinde. Eines der bekanntesten Ziele im Bregenzer Wald ist die berühmte „Käsestraße“ . Eine Themenstraße, die mit der südsteirischen Weinstraße zu vergleichen ist. Einen berühmten Bezauer kennt fast jeder. Der Ex-Skispringer Toni Innauer, der sich um den Skisprungsport in Österreich große Verdienste erwarb.
Präsident Götz bedankte sich für die interessante Darstellung und für die herzliche Aufnahme. Danach ging die Fahrt auf schmaler kurvenreicher Straße weiter zu einer Almhütte nach Lingenau zum „Kässknöpfe „essen . Diese Vorarlberger Spezialität schmeckte hervorragend.
Nächster Programmpunkt war die Juppenwerkstatt in Riefensberg. Man zeigte uns hier, wie die höchst aufwändige Tracht der Bregenzerwälderinnen entsteht. In einem speziellen Verfahren wird das schwarze Kleid in bis zu 500 Falten plissiert. Wir erfuhren: So eine Tracht kostet ab Euro 4.000,--. Über ein Jahr hinaus sind schon Bestellungen vorhanden. Viele Besucher wollten schon so ein Gewand anfertigen lassen – aber aus Nationalstolz bekommen nur die Bregenzerwälderinnen diese Tracht. Egal, wie viel man bereit ist, dafür zu bezahlen.“
Auf der Heimfahrt nach Bregenz wurde noch ein Käseladen „leergekauft.“ Bei einem Abendessen ließen wir den Tag Revue passieren, nur die härtesten Nachtschwärmer hielten noch lange durch.
Am Sonntagmorgen hieß es Abschied nehmen. Wieder einmal gingen schöne, erlebnisreiche Tage zu Ende. Die Vorfreude auf nächstes Jahr, wo für den Frühsommer eine besondere Dachverbandreise nach Wien geplant ist ließ die aufkommende Wehmut schnell vergessen.
Zum Schluss ein Danke an:
Den 1. Landtagsvizepräsidenten der Voralberger Landesregierung Herrn Peter Ritter für den herzlichen Empfang und die interessanten Schilderungen.
Oberstleutnant Alwin Denz, Präsident des Vorarlberger Kameradschaftsbundes und Herrn Rudolf Völk vom Österreicher Verein in Kempten für die herzliche Aufnahme und die Begleitung durch den Bregenzer Wald.
Unseren Vorsitzenden, Herrn Werner Götz, den Mitbegründer des Dachverbandes, der mit dem Reiseleiter Herrn Franz Dania sowie Peter Kunz. Ihnen verdanken wir diese schönen Reisen.
Bussi Fredi, dein Zitherspiel klingt uns noch in den Ohren.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen anlässlich der Weltbundtagung der Auslandsösterreicher vom 5 - 8 September in Oberösterreich mit der Hauptstadt Linz.


Marianne Horvath, ÖDG Mitglied Berlin-Brbg. / Mai 2013

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