Weltbund - Tagung Auslandsösterreichertreffen
in Graz 06. - 09. September 2012

Die heurige Tagung des Weltbundes der Auslandsösterreicher war wieder ein buntes Zusammentreffen von vielen Auslandsösterreichern und Freunden aus der ganzen Welt.
U.a. wurde eine Ausstellung eröffnet von dem Grazer Künstler Oskar Stocker mit Gemälden von Auslandssteirern über alle fünf Kontinente.
Herr Stocker reiste einmal rund um den Globus, um diese Menschen zu treffen und zu porträtieren und gab dem Ganzen den Namen „Sehnsucht“. AÖWB-Präsident Gustav Chlestil, Oskar Stocker,Bürgermeister Mag.Siegfried NaglDas Wort drückt schon aus, was sich auch alljährlich immer wieder zeigt, dass jede/r ÖsterreicherIn, egal was er/sie tut, wie erfolgreich er/sie ist und wo und wie er/sie lebt, immer wieder gerne in seine/ihre ursprüngliche Heimat Österreich zurück kehrt. Die Sehnsucht nach der Heimat bleibt für immer, auch wenn man an anderen Orten der Welt erfolgreich und glücklich lebt.  

Graz, die zweitgrößte Stadt Österreichs mit vier Universitäten und zwei Fachhochschulen ist geprägt durch das Alte genauso wie durch das Moderne. Die Stadt hat sich durch die vielen Studenten stark gewandelt vom „Pensionopolis“ zu einer ganz jungen Stadt, die 2003 europäische Kulturhauptstadt war. Die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe mit ihren schönen Gotik-, Barock- und Renaissancebauten und den über 50 Innenhöfen der Häuser mit ihren reich verzierten Fassaden und den „Doppeldächern“, d. h. oft wurden zwei schmale Häuser durch die Fassadenverzierungen zu einem zusammengefügt. Dieses Haus-/Dachbild prägt die Stadt Graz, was man besonders schön vom Schlossberg aus sehen kann. Der Uhrturm auf dem Schlossberg, das Wahrzeichen von Graz zeigt die Zeit immer noch wie früher an, als die Uhren nur einen Zeiger für die Stunden hatten, d. h. der große Zeiger zeigt die Stunden an und der kleine die Minuten. Vieles in der Stadt erinnert auch noch an die Spuren von Erzherzog Johann, der die Stadt sehr prägte durch seine Errungenschaften. Er war der Mann für das Volk, hat die Bürger gefördert und unterstützt, u. a. hat er, durch die Stiftungen und Schenkung seiner Sammlungen, den Grundstein für das Joanneum in Graz. gelegt, die GRAWE, die erste „verlässliche“ Versicherung für Alle gegründet, den Kartoffelanbau gefördert, eine große Volksliedersammlung angelegt und vieles mehr.

  Am Donnerstag abends wurden wir in sehr schönem Ambiente in der Alten Universität Graz empfangen auf Einladung des Landeshauptmanns Mag. Franz Voves, der vertreten war durch seinen 2. Stellvertreter, Herr Siegfried Schrittweiser. Bereits da gab es ein großes Hallo und große Wiedersehensfreude mit vielen alten Bekannten. AÖWB-Präsident Gustav Chlestil u. Roland Pirker, KanadaAm Freitag Vormittag hatten wir weitere Führungen durch die Altstadt, zum Schloss Eggenberg oder in das Universalmuseum Joanneum, dem ältesten öffentlich zugänglichen Museum Österreichs und größtes Universalmuseum in der Mitte Europas. Auch hier kann man eine hervorragende Symbiose zwischen alt und neu erleben – sowohl in der Architektur als auch in den Ausstellungen.

Abends gab es einen Empfang durch den Bürgermeister der Stadt, Herrn Mag. Siegfried Nagl im congress|graz. Im festlichen Ambiente des Stefaniensaals wurde nach dem Abendessen die o. g. Ausstellung des Malers Oskar Stocker eröffnet. Musikalisch gestaltet wurde der Abend durch die Musikband Markus Schirmer & Friends mit dem Programm SCURDIA. Die Musiker dieser Gruppe sind allein schon ein Ausflug durch verschiedene Nationen, passend zur Ausstellung. Die Musik verbindet Jazz mit klassischen Elementen, Folklore mit orientalischen Klängen, kurdische Einflüsse mit steirischer Harmonika - eine bunte Vielfalt genauso wie die anwesenden Zuhörer.

Am Samstag Vormittag trafen sich wieder alle Kongressteilnehmer im congress|graz zum Höhepunkt der Weltbundtagung, dem Festakt mit der Auszeichnung des Auslands-österreichers der Jahres - diesmal war es der bekannte Koch Johann Lafer.Dieser Tag stand unter der Schirmherrschaft unseres Vizekanzlers und Außenministers Dr. Michael Spindelegger.

Johann  Lafer und die AÖWB-Vizepräsidenten  Werner Götz u. Dr. Jürgen EmDer Präsident des Weltbundes Herr Dipl. Ing. Gustav Chlestil, der den Vormittag eröffnete, griff bezüglich des Berufs von Herrn Lafer das Thema Gesundheit auf und meinte, dass diese als selbstverständlich angesehen werde, solange man sie hat. Erst wenn Mitglieder nicht mehr am täglichen Leben teilnehmen können, wird uns dieses hohe Gut bewusst. Er unterstrich seine Gedanken vom bewussten Leben und Leben im Jetzt mit den Worten von Mark Twain: „Man sollte der Versuchung immer nachgeben, man weiß nie, ob sie zurück kommt.“ Dann begrüßte er die Ehrengäste:

a) den Vizekanzler und Außenminister Herrn Dr. Michael Spindelegger
b) die dritte  Präsidentin des Landtages: Frau Mag. Ursula Lackner
c) Herrn Dr. Peter Piffl-Perčević stellvertretend für den Bürgermeister, der leider verhindert war
und gab einen kurzen Rückblick über sechzig Jahre Weltbund, als es z. B. anfangs noch große Spannungen zwischen West und Ost gab. Der Auslandsösterreicher-Weltbund war und ist in politischer, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht immer wichtig, wenn es um die Rechte Aller ging und geht. Allein in Deutschland leben ca. 230.000 Österreicher von den weltweit etwa 480.000. 1989 wurde das Wahlrecht erstritten, das erst sehr kompliziert war mit zwei Zeugen, jetzt aber in eine echte Briefwahl geändert wurde. Das größte Ziel ist momentan, eine Verfassungsänderung zu erreichen für eine parlamentarische Vertretung der Auslandsösterreicher. Dazu ist eine 2/3 Mehrheit erforderlich. Er begründet die mühsamen Verhandlungen mit den Worten „Gut Ding will Weile haben“ und bittet den Vizekanzler um seine Unterstützung. Von den 480.000 Auslandsösterreichern sind immerhin 265.000 wahlberechtigt, von denen z. Zt. leider nur ca. 48.000 in der Wählerevidenz eingetragen sind. Ein Werben dafür ist dringend nötig: „Wer nicht selbst zur Wahl geht, überlässt die Zukunft den anderen.“ Dafür wäre das e-voting sehr wichtig, denn das Internet ist der kürzeste Weg zur Heimat.

Ein wichtiges Thema war auch immer die Beibehaltung der österreichischen Staatsbürgerschaft bzw. der richtige Modus, diese wieder zu beantragen.
Viermal pro Jahr erscheint die Zeitschrift Rot-Weiß-Rot und relativ neu gibt es jetzt die Internetplattform www.austrians.org

 

 

Bei einer Umfrage von über 600 österreichischen Meinungsbildnern aus aller Welt stellte sich heraus, dass es 2012 eine Verschlechterung des Ansehens Österreichs in der Welt durch die Korruptionsfälle in Österreich gibt, die schnell bereinigt werden muss. Die im Ausland lebenden Österreicherinnen und Österreicher  repräsentieren durch ihr Auftreten ihr Land: Sie sind Österreich! Im Bildungswesen zeigt sich deutlich, wie essentiell das Erlernen von Fremdsprachen und von Wirtschaftswesen ist.

Der Präsident der Burgenländischen Gemeinschaft, Hr. Hofrat Prof. Dr. Walter Dujmovits bestellt Grüße aus seiner Heimat und erklärt, dass durch die fallenden Grenzen nicht mehr der Charakter der Fremdheit besteht. Er bezeichnet es als einen Glücksfall und als Zeichen der Harmonie, dass Präsident Chlestil bereits ein Viertel seiner Zeit, seit es den Weltbund gibt, Präsident des Weltbundes ist und wünscht ihm weiterhin viel Glück.

Herr Dr. Peter Piffl-Perčević, der stellvertretend für den Bürgermeister sprach, freut sich, dass dieses Treffen der Auslandsösterreicher in der Stadt Graz – der Stadt der Musik und Harmonie – mit so vielen „glühenden Österreichern“ stattfindet. Graz ist seit 1999 auf der Liste als UNESCO-Weltkulturerbe, war 2003 europäische Kulturhauptstadt und ist stolz auf viele berühmte und erfolgreiche Menschen. Erzherzog Johann hat als erster frei gewählter Bürgermeister viel zu den Errungenschaften der Stadt beigetragen. Durch die Erweiterung in den Osten wurden  ca. 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Frau Mag. Ursula Lackner, die dritte Präsidentin des Landtages sprach mit Stolz von den Auslandsösterreichern, die ein Gewinn für das Land sind und überall auf der Welt das Bild ins Positive rücken können. Sie dankte Hr. Gustav Chlestil für seine kritischen Anmerkungen und sein Engagement. Mit Stolz berichtet sie von vielen Österreichern des öffentlichen Lebens in der Welt, der am weitesten entfernte sei wohl der Weltraumfahrer Franz Viehböck (persönliche Anmerkung: In den Weltraum sind es nur 300 km) gewesen und verweist auf die Ausstellung des österreichischen Malers Oskar Stocker, der mit seiner Ausstellung „Sehnsucht“ 22 Porträts von Auslandsösterreichern aller fünf Kontinente geschaffen hat.

Dr. Metlar, Graz, A. Vigelius AÖWBEin großes Verdienst und ein großer Dank gilt Frau Dr. Renate Metlar, der Leiterin des Büros für Auslandssteirer, die die Kontaktstellen zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur verbindet. Durch den Auslandsösterreicher des Jahres, den „Steirer Bub“ Hansi Lafer, wie er sich selbst nennt „auch wenn ich jetzt Johann genannt werde, bin ich doch immer der Hansi geblieben“ wird die Steiermark Allen in guter Erinnerung bleiben. Herr Lafer hat die ganze Welt bekocht und ist überall durch die Medien bekannt und präsent.

Herr Chlestil beginnt bei der Auszeichnung von Herrn Lafer mit den Worten: Er führt ein Leben für den guten Geschmack, er ist fast besessen, perfekt in der Kochkunst und lebt höchste Kochkultur. Man stelle sich vor, Herr Lafer wäre in Graz geblieben und hätte am Bahnhof einen Würstelstand eröffnet, dann hätte er McDonalds das Fürchten gelernt. Er erzählt zwei sehr nette Anekdoten aus Lafers Leben und erwähnt mit Stolz und Dank, dass Herr Lafer seit sechs Jahren Kochrezepte im Rot-Weiß-Rot veröffentlicht und – zum Glück – vergessen hat, ein Honorar auszuhandeln. Herr Lafer hat nach eigenen Aussagen hohe Ideale, aber meint: Ideale sind wie Sterne, man kann sich daran orientieren, aber man kann sie nie erreichen. Herr Lafer hat schon viele Auszeichnungen  bekommen, u. a. 2006 zum „Fernsehkoch des Jahres“, 2007 „Großer Josef-Krainer -Preis“. Schon als Kind hat er sich gefragt, wo kommt was her, wie schmeckt was und was muss ich tun, dass es schmeckt. Er ist stolz, arm aufgewachsen zu sein und zu sehen, wie seine Mutter aus einfachen Dingen was Gutes gekocht hat. Das war eine Messlatte für sein weiteres Leben und er ist überzeugt, dass Koch ein krisensicherer Job ist. Denn essen müssen Alle.

Der Vizekanzler Herr Dr.  Michael Spindelegger, der eigentlich an diesem Tag in Zypern sein sollte, hat unsere Festveranstaltung der Zypernreise vorgezogen, worauf wir besonders stolz sind und ihm unseren größten Dank dafür aussprechen. Er ist immer wieder sehr beeindruckt bei seinen Reisen durch die Welt vom Schicksal der einzelnen Menschen, denn nicht alle Auslandsösterreicher machen ihr großes Glück in der Welt.Vizekanzler Dr. Spindelegger, AÖWB-Präsident Chlestil Egal ob in Südwest-Afrika oder in Sydney – überall trifft man Österreicher, man ist herzlich willkommen und findet ein Stück Heimat vor. Auch die gute österreichische Küche und Johann Lafer sind in der Welt bekannt und stellen einen Bezug zur Heimat her. Für  den Vizekanzler sind drei Punkte besonders wichtig:

1) Das Außenministerium ist weltweit mit nur 1300 Mitarbeitern vertreten und hat z. B. letztes Jahr 2500 Auslandsösterreichern in großer Not geholfen. Jeder Auslandsösterreicher in Not kann sich zu jeder Tages- und Nachtzeit melden. 400.000 Konsularfälle wurden im letzten Jahr behandelt – ein großer Dank an die Mitarbeiter. Weltweit ist Österreich mit 84 Botschaften vertreten und 300 Honorarkonsulaten. Bei einigen gibt es bereits die Möglichkeit, Fingerabdrücke für Reisepässe zu deponieren.
2) Er wird sich für die Änderung des Wahlrechts für Auslandsösterreicher stark machen, besonders für das e-voting, aber er kann nicht allein entscheiden. Auf europäischer Ebene sollte das auf jeden Fall möglich sein.
3) Im Zusammenhang mit der EU sollte man nicht so negativ sehen. Wir können uns z. B. im Wettbewerb mit den USA sehr gut messen. Es gibt so viele Erneuerungen, die Menschenrechte und das Sozialsystem sind so gut wie nirgends in der Welt. Die EU hat Zukunft. Herr Lafer ist ein Beispiel dafür, dass man gute Botschaften rüber bringen kann, die Menschen in der Welt über die Medien vom Positiven überzeugen. Er dankt allen Anwesenden, vor allem dem Vorstand der Auslandsösterreicher für ihr Engagement, das er gerne unterstützt.

Am Sonntag gab es wie immer einen gemeinsamen Abschluss bei wahlweise katholischen oder evangelischen Gottesdiensten. Der katholische Priester hat die Auslandsösterreicher aus der ganzen Welt besonders in seine Predigt, die er im Grazer Dom hielt, mit eingebunden und darauf hingewiesen, dass er bereits 1978 einen Gottesdienst mit den Auslandsösterreichern abgehalten hatte.

Insgesamt lässt sich sagen: Die vier Tage Weltbundtreffen waren wieder sehr schön, spannend und abwechslungsreich. Besonders beeindruckend war die Vernissage mit Steirer Köpfen quer durch die Welt im Zusammenspiel mit den internationalen Künstlern der Markus Schirmer & Friends Band. Erna Weimann ÖDG, Präsident der ÖDG e.V. Werner Götz, mit Johann LaferAuch der Austausch mit allen Anwesenden und das Kennen Lernen und die Gespräche von und mit  immer wieder anderen Personen ließ die Zeit wie im Fluge vergehen. Ein großer Dank an das gesamte Organisationsteam für die Vorbereitung und Durchführung dieses für die Stadt Graz und das Bundesland Steiermark Riesenevents.
Erna Weimann, ÖDG e.V.-Bln.-Brdbg./16. Sept. 2012

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