Weltbund-Tagung und Auslandsösterreichertreffen vom 5. - 8. September in Linz 2013

Bei schönstem Spätsommerwetter trafen im Laufe der ersten Septemberwoche Österreicherinnen und Österreicher, die ihre Lebens- und Arbeitzeit im Ausland verbringen, in Linz ein. Große Wiedersehensfreude herrschte, als sich viele von uns nach einem Jahr wiedersahen. Linz, bis in die 70er Jahre eine graue Arbeiterstadt, hat die größten Veränderungen Österreichs hinter sich. Die drittgrößte Stadt Österreichs, (192.000 Einwohner), deren erster Bezug noch immer die Industrie ist, ist heute ein Ort, dessen Angebote an Museen, Festivals und Einkaufsstraßen begeistern. Linz war 2009 Kulturhauptstadt Europas. Der Komponist Anton Bruckner (1824 -1896) gehörte zu den wichtigsten und innovativsten Tonschöpfern seiner Zeit. Mit dem Brucknerhaus begann der kulturelle Aufstieg.

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Wer kennt sie nicht? Die „Linzer Torte“, süße Botschafterin des Landes Oberösterreichs. Das erste Rezept stammt aus dem Jahr 1653 und ist somit das älteste Tortenrezept der Welt.
Am Donnerstag, dem 5.September, ging es nach der Registrierung mit einer Führung durch das Zukunfts- und Technologiemuseum los. Das ARS Electronica- Center. Einzigartig in Europa. Eine digitale Erlebniswelt für alle, die einen Blick in die Zukunft der Technik werfen wollen. Um 19 Uhr empfing uns der Bürgermeister der Stadt Linz, Dr. Franz Dobusch, im Alten Rathaus.
Zur Freude Aller beehrte uns auch Frau Nationalratspräsidentin Maga. Barbara Prammer. Sie ist seit Oktober 2006 die erste Frau an der Spitze des österreichischen Nationalrates. In ihrer Rede betonte sie unter anderem wie stolz das Land auf die wichtigsten Botschafter Österreichs sein kann.

Die Auslandsösterreicher !

Bürgermeister Dr. Dobusch begrüßte den Präsidenten des Auslandsösterreicher – Weltbundes, (AÖWB) Dkfm. Ing. Gustav Chlestil, die Vizepräsidenten Dr. Jürgen Em aus Bonn und Werner Götz aus Berlin, den Präsidenten der Burgenländischen Gemeinschaft, Hofrat Prof. Dr. Walter Dujmovits, sowie alle anwesenden Präsidenten diverser Länder und Festgäste.
Der Bürgermeister, der sein Amt seit 1988 ausübt, wies in seiner Rede auf die soziale Musterstadt (Kindergartenplätze, Seniorenbetreuung und die hohe Beschäftigungszahl) hin. So liegt die Arbeitslosenzahl in Linz um ein Viertel unter dem österreichischen Schnitt. Leitbetrieb ist die Linz AG. Ab 2014/15 bekommt auch Linz eine Medizinische Universität. Nach den Ansprachen wurde das Buffet eröffnet, der gesellschaftliche Teil begann. Zur großen Freude von einigen fand dieses Wochenende das 19. Linzer Altstadt-Weinfest statt, so war der Abend erst weit nach Mitternacht zu Ende.
Am Freitag, dem 6.September, ging es mit einer Stadtführung weiter. Eine sehr kompetente Dame brachte uns Geschichte, Bauwerke und die Gegenwart näher. Den Nachmittag nützten einige Teilnehmer, um auf den Pöstlingberg, zu fahren. Von da hatte man bei schönstem Wetter einen wunderbaren Blick über die ganze Stadt. Für die anderen begann in den Redoutensälen die Generalversammlung Teil I. Präsident Chlestil begrüßte alle Teilnehmer, besonders willkommen hieß er Herrn Jacques-Simon Eggly, Präsident der Auslandschweizer-Organisation.

Die Gesandte Dr. Brigittas Blaha sprach über den Erwerb der Staatsbürgerschaft, die Gleichstellung Unehelicher Kinder mit Ehelichen, sowie Adoptivkindern durch ein vereinfachtes Verfahren. Dr. Em ging auf die bevorstehende Nationalratswahl ein. Werner Götz referierte über die Meinungsumfrage und dessen Auswertung. Es war höchst interessant die Bewertung der ÖsterreicherInnen im Ausland zu erfahren. Weitere aktuelle Themen des Weltbundes: -Die Beantragung, mindestens ein Mandat im Nationalrat für die AuslandsösterreicherInnen (AÖ) zu erlangen.

- Bei der Nationalratswahl im September sind 42.500 AÖ als eingetragene Wähler. Das Wunschziel bis 2015 ist aber: 100.000 Eintragungen in die Wählerevidenz. Auch um die Position der AÖ innerhalb der demokratiepolitischen Entscheidungen in Österreich zu stärken.
- Ein Fond für in Not geratene Auslandsösterreicher über 600:000 Euro steht zu Verfügung. Erlangt wird die Hilfe über die zuständigen Botschaften.
- Deutsche Pensionen werden seit 2005 in Deutschland versteuert. - Staatspensionen aus Österreich müssen in Österreich versteuert werden. Weiteres unter www.Pensionsversicherung.at
- Die nächste Weltbundtagung mit Neuwahl des Vorstandes findet vom 4.-7. September 2014 in Niederösterreich statt. Nach der Genehmigung des Protokolls der Generalversammlung von 2012 in Graz ging man zum Finanzbericht 2012 über.
Nach der Pause folgte ein hochinteressanter Vortrag von Direktor Thomas Prantner, Leiter der Hauptabteilung Online und neue Medien: “Der multimediale „ORF“ und das Angebot für die ÖsterreicherInnen im Ausland.
Nach dem Bericht von Dr. Irmgard Helpersdorfer folgte der Antrag der Rechnungsprüfer auf Entlastung des Vorstandes.

Danach wurden 4 Ehrungen vorgenommen. Mit großer Freude vernahmen wir die Auszeichnung unseres Ehrenmitgliedes Frau Edith Lorenz. Präsident Götz ist stolz auf seine treue Edith. Seit 41 Jahren ist sie Mitglied in der Österreichisch-Deutschen Ges. e.V. Berlin-Brandenburg. vormals Verein der Österreicher in Berlin, seit 30 Jahren im Vorstand tätig. Sie bekam das „ Goldene Ehrenzeichen des Auslandsösterreicher-Weltbundes“. Mit Rührung und viel Freude nahm die Geehrte diese Auszeichnung entgegen. Liebe Edith, bleibe bei guter Gesundheit und viel Freude weiterhin in unserer Mitte! Es blieb nur eine kurze Zeit, um sich auf das nächste große Ereignis, vorzubereiten. Um 20:00 Uhr fand der Empfang durch den Landeshauptmann, von Oberösterreich Dr. Josef Pühringer, statt. Der Landesvater hieß alle herzlich willkommen. Nach einem vorzüglichen Abendessen, das von einer Volksmusikgruppe umrahmt wurde, gab er sich sehr volksnah. Unser Vorstandsmitglied Friedrich Trügler hatte wie schon am Abend zuvor, seine Zither dabei. Bei vertrauten heimatlichen Klängen und Liedern wurde manch eine Träne vergossen. Das Weinfest durften wir auch diesen Abend nicht verpassen. Am Samstag war der große Festakt, ein Höhepunkt der Tagung im Festsaal des Palais des Kaufmännischen Vereines in Linz. Das Klaviertrio „Triophonie“ aus dem Linzer Musikgymnasium eröffnete das Programm mit dem Divertimento in B-Dur, von W.A. Mozart. Präsident Chlestil begrüßte unter anderem folgende Ehrengäste: Die Bundesministerin für Finanzen, Dr. Maria Fekter, den Landeshauptmann, von Oberösterreich Dr. Josef Pühringer und den Präsident der Wirtschaftskammer Österreichs, Dr. Christoph Leitl. Nachdem er alle Festgäste im gut gefüllten Saal herzlich willkommen geheißen hat, dankte er den Beamten und Verantwortlichen für die zeitgerechte Versendung aller Wahlkarten. Die Vision ist, dass in Zukunft Auslandsösterreicher einen Platz im Parlament haben. Frau Dr. Fekter, Dr. Pühringer und Dr. Leitl sprachen sich deutlich für eine institutionalisierte Vertretung der Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher im Parlament aus. Sie wollen auch die Forderung des Auslandsösterreicher-Weltbundes für die Einführung des E-Votings entscheidend unterstützen. Maga. Prammer, meinte in einem Gespräch mit Präsident Chlestil, diese politischen Forderungen des Weltbundes sollten auf die Agenda einer am Beginn der nächsten Legislaturperiode einzuberufenden Enquete zur Demokratie - Reform gesetzt werden. Die Forderungen von etwa 500.000 im Ausland lebenden österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern werden also gehört. Hofrat Dr. Dujmovits wies in seiner Ansprache voller Stolz darauf hin, dass Landsleute, die im Ausland arbeiten und leben, Österreich größer gemacht haben, als es geographisch ist. Wirtschaftskammerpräsident Dr. Leitl würdigte die Leistungen der Auslandsösterreicher. Ein Auszug aus seiner Ansprache: “Unsere Landsleute in Ihren Gastländern wissen, was sich in der Welt tut. Bitte reflektieren Sie es in unser Land. Sie sind das beste Netzwerk. Gute Freunde stellen Fakten fest und rütteln wach. Die Finanzwirtschaft ist wie ein Blutkreislauf eines Körpers, funktioniert er nicht, kollabiert der Körper..“ Landeshauptmann Dr. Pühringer wies nochmals darauf hin, dass das Engagement in Europa erhöht werden sollte. Offene Grenzen, Demokratie, Toleranz, Weltoffenheit haben viele Chancen. Die Geschichte lehrt: Grenzen dicht zu machen war schon immer ein Irrweg. Darauf erfolgte der Höhepunkt dieses Vormittages: Die Auszeichnung des „Auslandsösterreichers 2013.“ ÖsterreicherInnen im Ausland haben immer eine besondere Biographie. Dr. Paul Achleitner, geboren: 28. September 1956 in Linz. Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank AG. Er studierte an der Universität St. Gallen und an der Harvard University. Tätig als Unternehmensberater bei Bain & Company und der Investmentbank Goldman Sachs, zuletzt Geschäftsführer bei der Deutschen Niederlassung. Vorstand der Allianz AG, Ressort Finanzen, hier seit dem 31. Mai 2012 ausgeschieden. Dr. Achleitner reiht sich damit in eine Liste höchst prominenter Auslandsösterreicher, wie VW-Patron Ferdinand Piech, Dirigent Franz Welser-Möst, Karlheinz Böhm oder Kochprofi Johann Lafer den Auslandsösterreicher des vergangenen Jahres, ein. Dr. Achleitner ist mit der Wirtschaftsprofessorin Ann-Kristin Achleitner verheiratet und hat mit ihr 3 Söhne. Der Geehrte trat an das Rednerpult, bedankte sich für die hohe Wertschätzung und sagte: “Ich betrachte diese Auszeichnung als Auftrag auch in Zukunft Österreich keine Schande zu machen.“ In einer sehr entspannten Rede meinte er: „Geldinstitute sind Institutionen, die Geld verleihen, wenn man es nicht braucht: “ Er erinnerte sich an die Zeit, als er die Handelsakademie in Linz besuchte. Gegenüber der Schule gab es einen Flipperautomaten. Der Reiz, diesen zu bedienen, war größer als zu lernen. Er dankte seiner Familie und seinen Lehrkräften. Ein sehr wichtiger Meilenstein war mit Sicherheit das damals noch nicht übliche Auslandsjahr in Chicago. Glück, Flexibilität, Orientierungshilfen. Jeder Mensch braucht Anhaltspunkte. Danach trat Bundesministerin Frau Dr. Fekter ans Rednerpult. Ein Thema, welches an diesem Vormittag noch nicht besprochen wurde, griff sie auf. Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit – die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Österreich ist diesbezüglich stolz auf die prozentuale niedrigste Arbeitlosenzahl von Jugendlichen innerhalb der EU. Ergriffen sangen wir beim „Hoamatgsang“- der oberösterreichischen Landeshymne mit. Nach der Bundeshymne war der Festakt beendet, das Festessen vorbereitet. Am Nachmittag fanden wir uns zu Teil II. der Generalversammlung ein. Gespannt warteten alle auf den Vortrag des „Ausgezeichneten“. Ein kurzer Auszug aus seiner Rede. “ Es ist klar, dass es eine Teilung zwischen der Real- und Finanzwirtschaft nicht geben darf. Das Eine braucht das Andere... Wir übersehen auch, dass die USA gerade an Fahrt gewinnen und vor einer gewaltigen Re-Industriealisierung steht, befeuert von deutlich verbilligter Energie….“ Er richtete zum Schluss einen Appell an die Jugend: „Hungrig sein, nicht zu schnell zufrieden zu sein, was man tut, mit voller Begeisterung machen….“ Am Abend dieses besonderen Tages fand der große „Abschlussball des Auslandsösterreicher-Weltbundes“ im Festsaal des Kaufmännischen Palais statt. Einige zogen es vor, die am selben Abend stattfindende „Klassische Klangwolke 2013“, die sich über Linz erstreckte, zu besuchen. Und natürlich mussten wir noch beim Weinfest vorbeischauen. Am Sonntag, nach der heiligen Messe im Mariä-Empfängnis-Dom und dem Gottesdienst in der evangelischen Martin Luther Kirche, gab es das Abschlussmittagessen im Biergarten vom „Stieglbräu zum Klosterhof“. Es bleibt eine schöne Erinnerung an herrliche Tage in Linz, mit dem Zusammentreffen mit Freunden und neuen guten Gesprächen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehn im nächsten Jahr in Niederösterreich. Bitte vormerken vom 04. bis 07. September 2014

Marianne Horvath Ö.D. G.e.V. Berlin-Brandenburg

Bilder und Bericht :www.österreichisch-deutsche-ges.de

 

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