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bz Datum: 17. Juli 1995
Ressort: Lokales
Autor: Christine Richter

Aufsteiger, Einsteiger, Umsteiger Kurt Zegenhagen, Leiter des Präsidialamtes der Freien Universität, hat seinen Hut genommen und sich in den Ruhestand verabschiedet. Fast 22 Jahren führte er das Amt mit harter Hand, vor allem demonstrierenden Studenten machte der promovierte Physiker und Wirtschaftswissenschaftler deutlich, wo's lang geht. Da wurde schon öfter mal die Polizei geholt, "seine" FU war ihm heilig. Für die Verwaltung war Zegenhagen dagegen unersetzlich. Er kannte fast jeden und beherrschte die Bürokratie. Als sich der 59jährige in der vergangenen Woche mit einem Glas Sekt verabschiedete, waren einige sogar ein bißchen traurig.

Der "Verein der Österreicher in Berlin" hat die Zeichen der Zeit erkannt und wagt ein bißchen was: neuer Name, neuer Präsident. Werner Götz, auch Vizepräsident des Weltbundes der Österreicher im Ausland, leitet nun die "Österreichisch-Deutsche Gesellschaft e. V. Berlin-Brandenburg". Götz freut sich auf alle Österreicher, die in der Hauptstadt oder im Umland leben und ihre Gemeinsamkeiten pflegen wollen. "Wir wollen zu dem multikulturellen Gesellschaftsleben in der deutschen Hauptstadt beitragen", sagt Götz.

Bundespräsident Roman Herzog hat sich vorgenommen, die Verdienstkreuze der Bundesrepublik künftig anders zu verteilen. Mehr Ostdeutsche, mehr Frauen und vor allem mehr jüngere Bürger will er ehren. Doch in der vergangenen Woche konnte sich noch der 90jährige Albert Klein über das Verdienstkreuz am Bande freuen. Und das völlig zu Recht: Klein hat seit den dreißiger Jahren als Journalist und Vorsitzender des Vereins der ausländischen Presse in Berlin gearbeitet und sich einen Namen gemacht. So verfaßte er zahlreiche Fernsehbeiträge über das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland. "Herr Klein hat sich nachhaltig für die Versöhnung von Juden und Deutschen eingesetzt", lobte der Chef der Senatskanzlei, Volker Kähne, bei der Verleihung.

Christian Goiny stehen ungewöhnliche Monate bevor. Der 30jährige Jura-Student ist jetzt für die ausgeschiedene CDU-Abgeordnete Cerstin-Ullrike Richter-Kotowski ins Parlament eingezogen. "Ich finde das schon sehr spannend", sagt Goiny. Obwohl seine Abgeordnetenhauszeit nur noch fünf Monate dauert, will der Steglitzer noch viel bewegen. "Ich hoffe, daß ich im Kulturbereich noch einiges machen kann." Für seine Tätigkeit erhält er rund 32 000 Mark. Ziemlich viel Geld, weiß der CDU-Politiker selbst. "Aber ich mache das nicht deswegen, mich interessiert die Arbeit wirklich." Nach der Wahl am 22. Oktober wird sich Goiny aber wieder verabschieden, denn er kandidiert nur auf einem hinteren Platz der Bezirksliste. "Ich bin Kommunalpolitiker", sagt er selbstbewußt.

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