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Heuer werden die Festveranstaltungen von der Musikkapelle St. Johann in Tirol begleitet und musikalisch gestaltet.

Termine und Informationen zu den Festveranstaltungen vom
20. bis 21. Okt. 2019

Programmablauf:

Sonntag, 20.10.2019 19:00 Uhr

Festgottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche

Riemeisterstraße 2, 14196 Berlin-Zehlendorf

Montag, 21.10.2019 11:30 Uhr

Darbietung der Musikkapelle St. Johann in Tirol auf der Freitreppe des Rathauses Schöneberg

Grüße aus Österreich überbringt die Musikkapelle St. Johann in Tirol vor der Freitreppe des Rathauses Tempelhof/Schöneberg.
In Anwesenheit des Tiroler Landeshauptmannes Günther Platter und des Bürgermeisters von St. Johann, Hubert Almberger, wird die Blaskapelle den Berlinern und Berlinerinnen und allen Gästen ein Ständchen darbringen. Auch der Botschafter der Republik Österreich, Dr. Peter Huber, hat sein Kommen zugesagt.
Grußworte an alle Anwesenden wird die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof /Schöneberg, Frau Angelika Schöttler aussprechen.

Wir würden uns über Ihr Kommen sehr freuen.

 

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In St. Johann reichen die Aufzeichnungen über Bläsermusik bis in das 17. Jahrhundert zurück. Bereits 1687 scheinen erstmals „Trompetter et Paugger“ in Rechnungen anlässlich der St. Johanner Passionsspiele auf. Auch 1730 finden sich Aufzeichnungen über Blechbläser, und anlässlich der Glockenweihe von 1773 wird ebenfalls eine St. Johanner Bläsergruppe erwähnt.
Waren die Bläser seit der Barockzeit vor allem bei kirchlichen Anlässen im Einsatz, so entwickeln sich in Tirol ab etwa 1815 Blasmusikkapellen im heutigen Sinne, die damals wegen der neu verwendeten und ursprünglich aus den türkischen Janitscharenkapellen stammenden Tschinellen als „türkische Musik“ bezeichnet wurden.

Die Anfänge der Musikkapelle im 19. Jahrhundert

Im Laufe des 19. Jahrhunderts mehren sich die Berichte über eine Musikkapelle in St. Johann. Der „Bote für Tirol“ schreibt 1876 von der Ehrung zweier verdienter Musikanten, die „bereits über 50 Jahre als die ersten Kräfte mit lobenswertem Eifer aus Liebe und Interesse für die Kunst bei unserer Kapelle.“ wirkten.

Demnach muss in St. Johann mindestens schon 1826 eine Musikkapelle bestanden haben. Diese war damals allerdings noch innerhalb der Schützengesellschaft organisiert, wie mehrere Berichte der Tiroler Schützenzeitung beweisen. Erst im Jahr 1872 lösten sich die St. Johanner Musikanten von der Schützengesellschaft und gründeten einen eigenständigen Verein. Nun gab es auch eigene Statuten des Musik- und Gesangsvereins, der bereits ein Jahr nach der Gründung aus 100 Mitgliedern bestand, wobei damals auch die fördernden Mitglieder dazu gerechnet wurden. Die Kapelle selbst bestand aus höchstens 20 aktiven Musikanten. Diese traten vor allem bei kirchlichen Anlässen, wie Prozessionen und Gottesdiensten, sowie bei diversen festlichen Anlässen im Ort auf. Als erste eigene Veranstaltungen des Vereines werden im Jahr 1874 vier Konzerte und zwei Kränzchen erwähnt.

Es ist auch der Name des Kapellmeisters überliefert: es war dies der Schuhmachermeister Josef Bichler. Er setzte sich vor allem dafür ein, das Repertoire der Kapelle zu erweitern und die musikalische Qualität zu verbessern. Dies dürfte ihm offenbar recht gut gelungen sein, denn in mehreren Zeitungsberichten wird das Niveau der Kapelle immer wieder lobend erwähnt.

Josef Bichler leitete die Musikkapelle St. Johann bis 1890 und übergab in diesem Jahr den Taktstock an den Spenglermeister Peter Höflinger. Dieser konnte an die Aufbauarbeit seines Vorgängers anschließen und mehrere gut besuchte Konzerte veranstalten. Darüber hinaus nahm die Kapelle natürlich weiterhin ihre Verpflichtungen im Ort wahr, bei Prozessionen und kirchlichen Feiern auszurücken und diverse Festlichkeiten musikalisch zu umrahmen. Geprobt wurde damals sowohl im Schulhaus (heute Polytechnische Schule) als auch in den Gasthäusern des Ortes.

Im Gasthof zur Mauth gab es einen kleinen Saal mit Bühne, der meist von der Theatervereinigung verwendet wurde, doch war er auch für Veranstaltungen der Musikkapelle, wie Kränzchen und Konzerte geeignet. Außerdem ist überliefert, dass die St. Johanner Musikanten in der warmen Jahreszeit vereinzelt Konzerte in dem vom Verschönerungsverein kurz nach 1900 neu errichteten Hilscherpark gaben, wo sich ein kleiner Pavillon befand.

Die Musikkapelle Anfang des 20. Jahrhunderts

Aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts sind uns sonst leider keine besonderen Aktivitäten der Kapelle überliefert, doch ist auf den Fotos von 1900 und 1901 zu erkennen, dass in dieser Zeit neue Uniformen angeschafft wurden. Kapellmeister Peter Höflinger leitete die Musikkapelle noch bis 1908 und übergab dann den Taktstock an Hans Ott.

Besondere Höhepunkte im ersten Jahr von Kapellmeister Ott waren ein großer Auftritt in Innsbruck anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph sowie die Feierlichkeiten zur Enthüllung des Dechant-Wieshofer-Denkmals am 20. September 1908.

1908
Die Musikkapelle St. Johann 1908

In den folgenden Jahren gab es keine nennenswerten Ausrückungen, außer die üblichen Platzkonzerte im Sommer und die alljährlich wiederkehrenden kirchlichen und weltlichen Feste, an denen die Musikkapelle traditionellerweise mitwirkte.
Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, mussten mehrere Musikanten einrücken, und da die Kapelle ohnehin nur aus etwa 20 aktiven Mitgliedern bestand, wurde der musikalische Betrieb eingestellt. In dieser Zeit gingen die meisten Uniformen und manche Instrumente verloren, und nach 1918 war auf Grund der allgemeinen Probleme der Kriegsnachwehen und der hohen Inflation zunächst nicht an eine Neuformierung der Musikkapelle zu denken.
Erst 1923 setzten die Einträge in den Protokollbüchern wieder ein. Da Kapellmeister Hans Ott noch immer nicht vom Krieg zurückgekehrt war, übernahm vorerst wieder Altkapellmeister Peter Höflinger die musikalische Leitung. Gleichzeitig wurde erstmals auch ein Obmann für die Musikkapelle gewählt – es war dies der Mauthwirt, Alfred Brunner.
Die Musikkapelle veranstaltete in diesem Jahr schon sieben Platzkonzerte und rückte zu 16 Festlichkeiten aus, wobei hier vor allem drei für den Ort besonders wichtige Feiern zu erwähnen sind: Im April wurde die Antoniuskapelle nach dem Brand von 1916 wieder eingeweiht, im Mai fand die Einweihung des neu errichteten Kriegerdenkmals statt, und im Oktober weihte der Salzburger Weihbischof, Anton Keil, die neuen Glocken der Dekanatspfarrkirche, nachdem die alten im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden waren. Unter Böllerschüssen geleitete die Musikkapelle unter Leitung des inzwischen aus dem Krieg heimgekehrten Hans Ott die Glocken vom Bahnhof ins Dorf, wo die Kapelle ein „Glockenkonzert“ gab.
Noch vor Otts Rückkehr gab es im Jahr 1923 auch einen besonderen Auftritt. Die Musikkapelle fuhr unter der Leitung von Alt-Kapellmeister Peter Höflinger zum Katholikentag nach Wien. Für dieses Gastspiel musste man sich jedoch Hüte und Uniformjacken von den Schützen ausleihen, da der eigene Bestand an Uniformen äußerst spärlich war. Zudem erhielt die St. Johanner Kapelle tatkräftige Unterstützung durch Musikanten aus Oberndorf. Erst ein Jahr später gab es wieder einheitliche Uniformen, indem die wenigen bestehenden grauen Jacken ergänzt sowie Hosen und Hüte angeschafft wurden.

Obmann: Walter Schlemaier
Kapellmeister: Dipl.-Päd. Hermann Ortner

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